Thema des Monats September: faire Kleidung

Wussten Sie, dass die Bekleidungs- und Textilindustrie mehr Emissionen als alle Flüge und Schiffsreisen zusammen erzeugt?

Wie heißt es immer so schön, Kleider machen Leute. Besitzen wir deshalb alle so viele Klamotten? Folgen wir deshalb immer den neusten Trends und kleiden uns für jede Saison neu ein? Fast Fashion ist total im Trend. Wem kann man das auch verübeln? Jeden Monat ein neues Angebot, für einen unglaublich günstigen Preis. Doch immer häufiger hört man von einer Ausbeutung der Arbeiterinnen in den Fabriken, von Umweltverschmutzung durch Chemikalien und der Verbrennung von nicht verkaufter Kleidung in der Modeindustrie.

Fast Fashion ist alles andere als umweltfreundlich, doch gibt es überhaupt Alternativen, die mit den trendigen und billigen Klamotten mithalten können? Was hat der neue Trend „Slow Fashion“ mit dem Ganzen zu tun?

 

Definition Fast Fashion

Kurz und knapp bedeutet Fast Fashion, mehr Kollektionen in kürzerer Zeit. Fast Fashion erlaubt es dem Durchschnittskunden Trendklamotten zu einem sehr günstigen Preis zu kaufen. Das Problem dabei ist, dass durch diese günstigen Preise und die vielen Kollektionen der Konsument eine Art „Wegwerf Einstellung“ entwickelt. Im Sinne von, „ach, das kostet ja so wenig, das kann man mal mitnehmen“. Meist endet es damit, dass das Kleidungsstück mehr im Schrank als an einem selbst zu finden ist.

Die Ursachen von Fast Fashion sind auf der einen Seite die großen Modemarken, die immer neuen Profit erzielen und den Markt möglichst breit besetzen möchten. Auf der anderen Seite sind das wir - die Konsumenten, indem wir durch unsere regelmäßigen Shopping-Ausflüge diese Entwicklung begünstigen.

Allerdings darf hier auch nicht die steigende Weltbevölkerung vergessen werden, die die Nachfrage nach Kleidung natürlich auch erhöht.

Folgen von Fast Fashion

Um der hohen Nachfrage nach günstiger Kleidung nachkommen zu können wird eine Menge Baumwolle benötigt. Hierfür werden große Flächen des Regenwaldes abgeholzt. Auf den gewonnenen Ackerflächen werden unter Anwendung von Pestiziden genveränderte Baumwolle unter einem unfassbar hohen Wasserverbrauch angebaut. Ein Kilogramm Baumwolle benötigt um die 10.000 Liter Wasser. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung veröffentlichte, dass im Jahr 2017 über 500.000 Tonnen fertige Textilien nach Deutschland eingeführt wurden, wodurch sich ausrechnen lässt, wie viele Tonnen an Wasser pro Jahr für die Baumwollproduktion benötigt werden. Außerdem erzeugen die Pestizide tödliche Krankheiten in der Umgebung, wie Geburtenfehler, Krebs und Geisteskrankheiten.

Der Umwelt schadet aber nicht nur der genveränderte, wasser- und energieaufwendige Anbau der Baumwolle, sondern auch das industrielle Abwasser. In Indien gelangen täglich allein durch die Lederproduktion 50 Millionen Liter Industrie-Abwasser in den Fluss Ganges. Dieser ist dadurch mittlerweile vergiftet, wird aber weiterhin zur Trinkwasserproduktion und Bewässerung der Äcker genutzt.

Auch in den Textilfabriken entsteht durch mehrfaches Waschen und Färben ein großer Wasserverbrauch. Nicht zu vernachlässigen sind die Umstände, unter denen die Menschen arbeiten. Spätestens seit dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch vor sieben Jahren sind sich viele Konsumenten der schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie bewusst geworden - Chemikalien, dunkle, dreckige Hallen, ungenügende Sozialleistungen, lange Arbeitszeiten. Und das alles für weniger als 2,70€ am Tag. Wer Gewerkschaften gründen möchte wird häufig bedroht oder direkt entlassen. Danach ist man meist mit Foto und Identifikationsnummer auf einer Liste erfasst, was es fast unmöglich macht, anderswo Arbeit zu bekommen.

Je mehr Nachfrage es durch den Konsumenten gibt, desto mehr und schneller muss die Ware produziert werden. Durch die massenhafte Produktion an Kleidung, kommt es nicht selten vor, dass ein großer Teil der Kleidung übrigbleibt. 2017 veröffentlichte der dänische Fernsehsender TV2 eine Reportage, die zeigt, wie eine große Billigmarke jährlich Tonnen ihrer Textilien verbrennt. Neben weiteren billigen Markenketten sollen auch Designermarken Teile aus ihren Kollektionen verbrennen. Hierbei handelt es sich schlicht und einfach um Vernichtung von Ressourcen.  

Gibt es Alternativen?

Alternativen gibt es schon seit langem und mittlerweile sind bei einigen richtig im Trend. Second-Hand-Läden und Marken, die komplett nachhaltig produziert werden sind keine Seltenheit mehr. Dafür stehen die Begriffe „Slow Fashion“ oder auch „Fair Fashion“.

Der Kurzlebigkeit von Fast Fashion soll ein Ende gesetzt werden, in dem mehr Wert auf umweltfreundliche und faire Produktion gelegt wird. Hierbei sollen bessere Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken geschaffen werden und auf natürliche Ressourcen zurückgegriffen werden. Doch nicht nur die Produzenten sollen hier etwas ändern, sondern auch die Konsumenten, also wir, die Käufer. Slow Fashion appelliert an unser Konsumverhalten und möchte einen Wandel zu mehr Verantwortung und Respekt gegenüber Mensch und Umwelt schaffen.

Nachhaltig shoppen

Es gibt viele verschiedene Arten, wie man nachhaltig an neue Kleidung kommt.

Zum Beispiel in Second-Hand-Läden. Mittlerweile kann man sie in jeder großen Stadt finden und sie sind mittlerweile recht gut besucht. Auch in Frankfurt gibt es haufenweise Second-Hand-Läden zu finden. Bekannte Läden von Oxfam über Vintage Revivals bis hin zu Brautkleid Läden. Wer ein wenig Geduld hat, kann kleine Schätze, wie Marken-Jeans oder andere Designersachen zu günstigen Preisen finden.

Neue Klamotten in den Kleiderschrank bringen geht aber auch ganz ohne Geld, nämlich durch Kleidertauschpartys. Hier werden, wie der Name schon sagt Kleider getauscht. Das heißt, dass ich ein oder mehrere Kleidungsstücke mitbringe, die mir nicht mehr gefallen oder passen und kann mir dann aus dem Angebot, das andere mitgebracht haben, etwas heraussuchen. Kleidertauschpartys lassen sich im Freundeskreis veranstalten oder man geht auf eine organisierte Party. Non Profit Organisationen, wie Greenpeace oder der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) bieten regelmäßig Kleidertauschpartys an.

Und wer ein wenig Geld mit seiner alten Kleidung verdienen möchte, kann diese auf Flohmärkten oder im Internet über Plattformen, wie Kleiderkreisel verkaufen.

Beim Kauf neuer nachhaltiger Kleidung sollte immer ein Blick auf die Siegel geworfen werden. Es gibt viele verschiedene Siegel, die verschiedenste Standards für eine umwelt- und menschenfreundliche Produktion voraussetzen. Unter weitere Information finden Sie eine Übersicht der bekanntesten Siegel. Mittlerweile gibt es auch eine Vielzahl an nachhaltigen Labels, die nicht nur bezahlbar, sondern auch jeden Geschmack treffen. Einfach mal in der Suchmaschine „nachhaltige Modemarken“ eingeben.

Fast Fashion ein Ende setzen, indem man ...

... in Second-Hand-Läden oder auf den Flohmarkt geht

... bei Kleidertauschpartys mitmacht

... auf Siegel achtet

... bei grünen Marken oder Onlineshops einkauft

Hallo, mein Name ist Juno und ich absolviere gerade mein „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ (FÖJ) im Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main. Dieser Artikel gehört zu der Reihe „Thema des Monats“, welche ich im Rahmen meines FÖJ-Projektes anfertige.