Lokal lernen was global wirkt

Schuljahr der Nachhaltigkeit: Kinder lernen lebensnah, was nachhaltige ­Entwicklung bedeutet

Projektsteckbrief

Projekttitel: „Schuljahr der Nachhaltigkeit“

Themenknoten: Bildung

Projektziele: Frankfurter Kinder lernen, was Nachhaltigkeit bedeutet. Sie können Handlungsmöglichkeiten ­benennen und für die Gestaltung des eigenen Lebens ­nutzen. Bildung für nachhaltige Entwicklung wird an den Frankfurter Grundschulen verankert.

Projektbeginn: 2012

Projektbeteiligte: Umweltamt (Green City), Stadtschulamt, Staatliches Schulamt Frankfurt, Umweltlernen in Frankfurt e. V., FES GmbH, Mainova AG (in der Pilotphase), ABG Frankfurt Holding, Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main (seit 2013)

Durchführung: Umweltlernen in Frankfurt e.V.

Warum steigt der Meeresspiegel, wenn das Eis am Südpol schmilzt“ Wo kommt der Kakao in der Schokolade her“ Was passiert mit dem Abfall in den vielen Tonnen“ Bildung, die Kindern Themen einer nachhaltigen ­Entwicklung nahebringt, spricht die Erwachsenen von Morgen an.

Das Projekt „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ entstand im Rahmen der Bewerbung Frankfurts als European Green Capital im Jahr 2012. Es wurde als Leuchtturmprojekt für den Bildungsbereich entworfen und richtet sich an Grundschüler/innen der vierten Klasse. Das Ziel: Jedes Frankfurter Kind weiß nach der Grundschule, was nachhaltige Entwicklung bedeutet und welche Möglichkeiten es für das eigene Handeln gibt.

Kinder lernen, wie sich das eigene Verhalten auswirkt

Während des „Schuljahrs der Nachhaltigkeit“ behandeln mehrere Unterrichtseinheiten, Exkursionen und Projektwochen möglichst lebensnah Themen der Nachhaltigkeit. Eingeleitet wird das Programm über den Klimawandel, weil die globalen Auswirkungen von lokalem Handeln hier besonders deutlich werden. Es wurden Module zu den Themen Strom, Wärme, Windenergie, Recycling, Papier, Mobilität, klima­freundliche Ernährung, fairer Handel, Wald und Energie entworfen. Diese werden nicht als Einzelthemen behandelt, sondern unter dem übergeordneten Ziel der nachhaltigen Entwicklung miteinander verbunden und mit den Inhalten der Rahmenpläne verknüpft.

In allen Modulen lernen die Kinder in einem Methodenmix aus Gesprächen und Diskussionen im Klassenverband, Arbeit in Kleingruppen, interaktiven Spielen und an Lernstationen mit praktischen Experimenten.

Global, lokal, Umwelt, Wirtschaft, Gegenwart und Zukunft: Prinzip ist ein vernetzendes Lernen. Die Kinder entwickeln dabei ein Gespür dafür, wie sich ihr Verhalten auf die Umwelt und die Gesellschaft auswirkt und dass es von langfristiger Bedeutung sein kann. Sie bekommen gezeigt, dass sie Gewohnheiten ändern und wie sie anders handeln können.

Breitenwirkung

So viele Menschen können durch ein Schuljahr der Nachhaltigkeit erreicht werden.

Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schulen verankern

Mit dem neuen Hessischen Schulgesetz und den Kerncurricula, die zum Schuljahr 2011/2012 in Kraft traten, stehen die Schulen vor der Anforderung, die Vorgaben der Bildungsstandards in Schulcurricula umzusetzen. Damit bietet sich die Chance, Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Schulprofile zu integrieren.

Das „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ wurde vom Verein Umweltlernen Frankfurt e. V. entwickelt. Der Verein ist auch mit der Durchführung beauftragt. Er geht dazu mit Frank­furter Grundschulen eine auf vier Jahre angelegte Bildungspartnerschaft ein.

In den ersten beiden Jahren wählen die Schulen sechs Module aus den Bereichen Klima, Energie, Recycling, Fairer Handel, Ernährung und Mobilität mit einem Gesamtumfang von 20 Stunden aus. Die zwei- bis vierstündigen Module können von den Schulen nach eigenen Schwerpunkten zusammengestellt werden. Das Klima- und das Abschlussmodul „Nachhaltigkeit“ sind verpflichtend.

Die Klassenlehrer/innen sorgen durch Vor- und Nachbereitung für die Verknüpfung mit dem regulären Unterricht. Sie erhalten Materialien zur Vertiefung und begleitende Fortbildungen.

Ab dem zweiten Jahr wählen die Schule aus den Modulen ein Thema aus, zu dem vertieft gearbeitet und ein Schülerprojekt durchgeführt wird – etwa die Teilnahme am Wettbewerb Solarrennen oder ein Energiesparprojekt. Im dritten und vierten Jahr arbeiten die Schulen daran, Themen der nachhaltigen Entwicklung in das Schulcurriculum aufzunehmen. Umweltlernen Frankfurt e. V. berät sie dabei und gibt Fortbildungen für das Kollegium.

Große Resonanz für das Bildungsprogramm

Inzwischen nehmen zehn Grundschulen mit der 4. Jahrgangsstufe am „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ teil. Es soll möglichst in allen Frankfurter Grundschulen durchgeführt werden.

Frankfurter Unternehmen unterstützen das Programm finanziell und inhaltlich. Diese Bildungspatenschaften sollen auf weitere Unternehmen ausgeweitet werden.

Unerwartet groß ist die Resonanz über die Stadt hinaus. Das „Schuljahr der Nachhaltigkeit“ wurde zum vieldiskutierten Modell beim 10. Runden Tisch der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, der Ende 2013 in Frankfurt stattfand. Es wurde 2014 bei der Nachhaltigkeitskonferenz des Landes Hessen aufgenommen und inzwischen in fünf weiteren hessischen Kommunen eingeführt. Ebenfalls 2014 wurde das Programm als offizielle Maßnahme der UN-Dekade ausgezeichnet. Die Fachjury der deutschen UNESCO-Kommission würdigte besonders die umfassende Aufnahme des Themas Nachhaltigkeit mit dem Ziel, Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Schulcurricula zu verankern.

Das Prinzip des „Schuljahrs der Nachhaltigkeit“ wird zur Zeit in Pilotprojekten für weitere Altersstufen erschlossen. Erste Erfahrungen liegen bereits mit der „Projektwoche Nachhaltigkeit“ vor, bei der die gesamte Jahrgangsstufe der 8. Klassen zu den Themen Klima und Energie, Ernährung, Kleidung und ökologischer Fußabdruck arbeitet. Die Projektwoche wird in Kooperation mit dem Bildungswerk des Jugend- und Sozialamts durchgeführt.

Leben gestalten

Themen der Nachhaltigkeit lebensnah an Grundschüler/innen vermitteln; Kinder lernen, wie sich ihr Verhalten auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt und wie sie Gewohnheiten ändern können; Kinder als Multiplikatoren.

Lernen gestalten

Module zu verschiedenen Themen der Nachhaltigkeit; ­vernetzendes Lernen mit vielfältigem Methodenmix; Fortbildung und Beratung für Schulen; ­Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schulcurricula.

Breit wirken

Planungen zur Ausweitung des Programms auf alle Frankfurter Grundschulen und weitere Altersstufen; ­Einführung in weiteren hessischen Kommunen; Auszeichnung als offi­zielle Maßnahme der UN-Dekade.

Umweltlernen in Frankfurt e. V.

Mareike Beiersdorf

Telefon 069 212-30130

mareike.beiersdorf(at)stadt-frankfurt.de