Die Stadt lebenswert erhalten

Anpassungsstrategie: Vorbereitung auf die Folgen des Klimawandels

Projektsteckbrief

Projekttitel: „Frankfurter Anpassungsstrategie an
den Klimawandel"

Themenknoten: Klima und Freiflächen

Projektziele: Anpassung der Stadt an die Folgen des ­Klimawandels.

Projektbeginn: 2008

Beteiligte: Koordinierungsgruppe Klimawandel (KGK), ­federführend: Dezernat für Umwelt und Gesundheit

Mehr Hitze und Trockenheit im Sommer, häufigere Starkregen und Unwetterereignisse, feuchtere Hochwasser im Winter: Der Klimawandel wird auch in Frankfurt die Lebensbedingungen beeinflussen. Die Anpassungs­strategie entwirft Ziele, Leitlinien und Maßnahmen, damit die Stadt lebenswert bleibt.

Der Klimawandel wird nicht nur zu steigenden Durchschnitts­temperaturen führen, sondern es werden häufigere Wetter­extreme auftreten. Die Stadt Frankfurt am Main setzt sich zum einen mit vielen Projekten und in einer Reihe von Netzwerken für den Klimaschutz ein. Zum anderen entwickelt die Stadt Vorkehrungen zur Anpassung an die nicht mehr zu vermeidenden Folgen des Klimawandels und passt sich diesen an.

Die dazu einberufene Koordinierungsgruppe Klimawandel (KGK) mit Fachleuten aus elf Ämtern und Referaten der Stadtverwaltung hat eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt. Sie wurde im September 2014 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

Den Klimawandel in allen Planungen berücksichtigen

Die Anpassungsstrategie beschreibt die Ausgangslage in der Stadt und die bereits heute erkennbaren Folgen des Klimawandels. Für die Bereiche Planung, Bauen, Grün, Mobilität, Wasser und Gesundheit werden Perspektiven, Ziele und erste Maßnahmenvorschläge beschrieben. Die Anpassungsstrategie dient dabei als ein Orientierungsrahmen, der weiter zu konkretisieren und bei sich ändernden Bedingungen anzupassen ist.

Hotspots und Kaltluftschneisen wissenschaftlich ­untersuchen

Ein Modellprojekt mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) bezieht globale und regionale Klimaprognosen auf den Maßstab der Stadt und zeigt, wo in Frankfurt zukünftig die Schwerpunkte von Klimabelastungen liegen werden. Weitere Daten zum Stadtklima bietet der Klimaplanatlas, der mit der Universität Kassel erarbeitet wurde. Er zeigt, welche Zonen thermische Defizite haben („Hotspots“), in welchen Bereichen Frisch- und Kaltluft entsteht und welche „Luftleitbahnen“ unbedingt freigehalten werden müssen, damit nachts kühlende Luftmassen in die Stadt gelangen. Der Atlas soll so weiterentwickelt werden, dass empfindliche Bereiche auf Stadtteilebene erkennbar werden und konkrete Verbesserungsmaßnahmen wie Begrünungen oder Entsiegelungen gezielt geplant werden können. Bei weiterem Wirtschaftswachstum und wachsender Bevölkerung steht die Stadtplanung vor der Herausforderung, trotz nötiger neuer Bauten Überwärmungstendenzen soweit wie möglich zu begrenzen und den Flächenverbrauch gering zu halten. Kaltluftschneisen sollen in Rahmen- und Bebauungsplänen erfasst und gesichert werden.

Häufigere Unwetter und Überflutungen berücksichtigen

Häufigere und heftigere Niederschlagsereignisse können z. B. zum Ausfall städtischer Infrastruktur führen und hohe Schäden verursachen. Der Hochwasserschutz wird derzeit mit dem „Hochwasserkonzept Main“ aktualisiert. Für die Taunusbäche wurden gemeinsam mit den Nachbargemeinden Gewässerpegel und Frühwarnsysteme eingerichtet.

Faltblätter, die in zehn Sprachen herausgegeben und an die Anwohner/innen der Flüsse und Bäche im Stadtgebiet verschickt wurden, informieren über Risiken und Vorsorgemaßnahmen bei Hochwasser und Überflutung in Folge von Starkregenereignissen. Weitere Maßnahmen sollen die Wassergüte der Gewässer in Trockenperioden verbessern und die Neubildung von Grundwasser fördern. Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen in Neubaugebieten und Entsiegelungen im Bestand sollen z. B. mehr Regenwasser direkt versickern lassen.

Gebäude fit für den Klimawandel machen

Beim Bauen gehen Klimaschutz, Klimaanpassung und Wohnkomfort Hand in Hand. Eine gute Dämmung verbessert die Energieeffizienz und das Innenraumklima. Sie erspart zusammen mit Sonnenschutz- und Nachtlüftungssystemen den Einbau von Klimaanlagen. Begrünte Dächer und Fassaden leisten einen Beitrag zum Stadtklima. Sie sollen gefördert werden. Bauherren informiert die Stadt in einem Leitfaden, wie sie gegen Hitze und Überflutungen vorsorgen können. Weitere Themen sind Energieeffizienz, Regenwasserbewirtschaftung und der Schutz des Baumbestands und von Biotopen.

Grünflächen erhalten

Klimawirksame Grünflächen wie Parks, Grünzüge und Alleen sollen erhalten und wo möglich verknüpft werden. So sollen grüne „Speichen“ von der Innenstadt bis zum GrünGürtel und „Strahlen“ hinaus in die Region entstehen.

Die „Frankfurter Baumliste“ gibt Empfehlungen, welche Baum­arten bei Neuanpflanzungen von Stadtbäumen zu bevorzugen sind. Neue und zahlreichere Arten sollen den Baumbestand widerstandsfähiger machen.

Gesundheit für alle Bevölkerungsgruppen

Das Amt für Gesundheit alarmiert nach einem Hitzefrühwarnsystem sensible Bereiche wie Krankenhäuser und Pflege­einrichtungen. Neben der Prävention von hitzebedingten Krankheiten wird untersucht, welche gesundheitlichen Auswirkungen klimatisch bedingte Veränderungen bei Pflanzen (z. B. Allergierisiko) und Tieren (z. B. Infektionsrisiko) haben.

Planung

Orientierungsrahmen für Planung, Bauen, Grün, Mobilität, ­Wasser und Gesundheit; wissenschaft­liche Erforschung künftiger Schwerpunkte der ­Klimabelastung in der Stadt; Planung gezielter Verbesserungsmaßnahmen.

Wetterextreme

Folgen abmildern durch Bewahrung von Kaltluftschneisen und Begrünung; ­Regenwasserbewirtschaftung;
den Schäden durch Überflutungen und Hitze vorbeugen, z. B. Hochwasserschutz, Sonnenschutzmaßnahmen.

Gesundheit

Aufenthaltsqualität in Bauten und ­öffentlichen Bereichen sichern; ­Hitzefrühwarnsystem für sensible ­Bereiche; Prävention von hitze­bedingten Krankheiten, Allergien und Infektionen.

Umweltamt Frankfurt am Main

Hans-Georg Dannert

Telefon 069 212-39476

hans-georg.dannert(at)stadt-frankfurt.de