Leben mit dem Fluss

Fechenheimer Mainbogen: Von der Agrarsteppe zur Auenlandschaft

Projektsteckbrief

Projekttitel: „Fechenheimer Mainbogen – Renaturierung und Flurbereinigung“

Themenknoten: Klima und Freiflächen

Projektziele: Strukturverbesserung am Main; Herstellen ­einer naturnahen Landschaft mit Auencharakter. Lebensräume für Tiere und Pflanzen, Schaffung eines Natur­erlebnisraums mit hohem Freizeitwert, Schaffung besser zu nutzender Flächen für die Landwirtschaft.

Planungsgebiet: Frankfurt Fechenheim

Projektbeginn: 2009 Voruntersuchungen zur ökologischen Strukturverbesserung am Main. November 2013 Plan­genehmigung von sechs Einzelmaßnahmen.
Januar 2015 ­Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Flur­bereinigung im Fechenheimer Mainbogen.

Projektlaufzeit: bis 2020/2022

Beteiligte: Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main

Vielfältig gestaltete Gewässer sind ein Gewinn für Tiere und Pflanzen – und für den Menschen. Die ­Umgestaltung des Fechenheimer Mainbogens schafft eine artenreiche Auenlandschaft und ganz neue ­Naturerlebnisse für die Frankfurter/innen.

Am Fechenheimer Mainbogen im Osten Frankfurts sollen die befestigten Ufer des Mains an vielen Stellen wieder vielfältiger gestaltet werden und sein Wasser die Landschaft durchströmen. Auf einem ca. 90 ha großen Gebiet entsteht eine naturnahe Landschaft mit Auencharakter mit neuen und vielfältigeren Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Für solche Strukturverbesserungen hat die Stadt Frankfurt am Main im Jahr 2008 eine Voruntersuchung beauftragt. Die Studie hat Standorte für 39 Einzelmaßnahmen entlang der Frankfurter Mainufer vorgeschlagen, mit denen die Stadt die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie 2000 umsetzen kann.

Die Planungen im Detail

Die ökologische Neugestaltung des Fechenheimer Mainbogens im Osten von Frankfurt stellt die größte Renaturierungsmaßnahme entlang der hessischen Mainufer dar. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Hier erfahren Sie mehr über die vielfältigen Aspekte des Projekts.

Ufer und Teiche vielfältig gestalten

Am Fechenheimer Mainbogen wurden die ersten Vorhaben im Frühjahr 2015 umgesetzt. An sieben Stellen wurden Ufer­abflachungen vorgenommen und die Steinschüttung der Uferbefestigung entfernt. Neben fünf kleineren temporären Gewässern wurden drei größere Alt­wasserteiche angelegt.
Die Teiche wurden in Ufernähe aus­gehoben und mit unterschiedlichen Böschungsneigungen abwechslungsreich modelliert. Die Teiche sind so tief, dass sie durch das Grundwasser ständig Wasser führen. Zusammen haben sie eine Wasserfläche von rund 5.000 m².

Artenvielfalt durch neue Lebensräume fördern

Die Ufer und die Gewässersohle werden weitgehend sich selbst überlassen und von der Natur begrünt. An einigen Stellen werden Bestände geschützter Arten, wie der der Gelben Wiesenraute, umgesiedelt.

Die ruhigen Altwasserteiche mit ihren Ufermodellierungen dienen vielen Arten als Lebensraum. Bei Hochwasser findet ein Wasseraustausch mit dem Main statt. Fischen wie Karausche, Rotfeder und Schleie bietet sich so Raum zum Laichen und Aufwachsen. Amphibien wie Grünfrosch und Grasfrosch können in den flachen Bereichen laichen, und es können sich Libellenarten wie die Braune Mosaikjungfer oder die Gemeine Heidelibelle einstellen.

Eine Auenlandschaft schaffen

Für ein weiteres 3.000 m² großes Altwasser und einen ufer­nahen Altarm liegt die Plangenehmigung vor. Im Unterschied zu Altwassern, die vom Fluss räumlich getrennt sind, ist ein Altarm noch mit dem Fluss verbunden und wird von diesem gespeist. Der geplante Altarm hat eine Wasserfläche von ca. 22.000 m². Er wird an zwei Stellen mit dem Main verbunden und so vom Flusswasser durchströmt. Mit den Durchstichen entsteht eine Insel, die nur mit dem Boot zu erreichen ist.

Noch in der Planungsphase ist ein etwa 1,7 km langer, beidseitig an den Main angeschlossener Altarm, der entlang einer natürlich vorhandenen Mulde den Mainbogen durchquert. Er soll von Wiesenflächen und Auwald gesäumt werden.
 

Die Flächen für die Landwirtschaft neu ordnen

Da die Grundstücke in dem Gebiet kleinteilig parzelliert und teils in städtischem und teils in privatem Eigentum sind, ist eine Flurbereinigung notwendig, bevor der große Altarm gebaut werden kann. Ziel ist es nicht nur, die Flächen für die Gewässer städtischem Eigentum zuzuordnen. Mit der Bodenneuordnung entstehen zusammenhängende Acker- und Wiesenflächen in den höhergelegenen Bereichen. Sie sind besser vor Hochwasser geschützt und können von der Landwirtschaft besser genutzt werden.

Die Natur von nahem erleben

Mit der Umgestaltung wird der bestehende, wenig attraktive Uferweg teilweise verlegt und zu einem Wegenetz mit Brücken, Stegen und Aussichtspunkten erweitert. Das schafft nicht nur ungestörte Mainuferzonen, sondern auch Orte mit markanten Ausblicken auf den neuen Landschaftsraum, zu denen sich ein Spaziergang lohnt.

Landschaft

Vielfältiger gestaltete Mainufer, ­Altarme und Teiche; neue und viel­fältigere Lebensräume für Tiere und Pflanzen durch naturnahe Landschaft mit Auencharakter.

Naturerlebnis

Attraktiverer Landschaftsraum; ­markante Ausblicke durch neu­gestaltetes Wegenetz mit Brücken, Stegen und Aussichtsplattformen.

Landwirtschaft

Flurbereinigung schafft zusammenhängende Acker- und ­Wiesenflächen in höhergelegenen ­Bereichen; ­Agrarflächen besser vor Hochwasser geschützt und besser nutzbar.

Umweltamt Frankfurt am Main

Rainer Zimmermann

Telefon 069 212-39149
rainer.zimmermann(at)stadt-frankfurt.de