Neues Grün direkt vor der Tür

Grünzug Platenstraße: Eine Verkehrsbrache wird zum grünen Begegnungsraum

Projektsteckbrief

Projekttitel: „Grünzug in der Platenstraße“

Themenknoten: Klima und Freiflächen

Projektziele: Rückgewinnung und Sicherung von Grünflächen vor dem Hintergrund von wachsendem Wohnraumbedarf und Klimawandel. Nachhaltige Freiraumgestaltung durch Bürgerbeteiligung. Gerechte Verteilung von Grün­flächen – auch in den Stadtteilen und in sozial benachteiligten Stadt­quartieren.
Ort: GPS-Koordinaten 50.138583, 8.661666
Planungs-/Bauzeit: 2007 bis 2015 ­

Beteiligte: Grünflächenamt, Liegenschaftsamt, Amt für Straßen­bau und Erschließung, Straßenverkehrsamt, ­Stadtkämmerei, Mainova AG, ABG FRANKFURT HOLDING, ­Ortsbeirat, Astrid-Lindgren-Schule, Integrative Schule, Kita Morgenstern, KT 92, Nachbarschaftszentrum Ginnheim e. V., Kinderzirkus Zarakali, BMX-Verein Stahlfräse

Gesamtfläche: ca. 5700 m²

Kosten: 575.000 Euro

Um wohnortnahe Grün- und Erholungsräume zu schaffen, obwohl die wachsende Einwohnerzahl Frankfurts und steigender Wohnungsbedarf, Wirtschaftswachstum und zunehmender Verkehr um Flächen konkurrieren, gilt es, auch „vergessene“ Areale und deren Potenziale zu nutzen. Die Platenstraße ist ein Beispiel dafür.

Die Platenstraße im Frankfurter Stadtteil Ginnheim wurde in den 1960er Jahren als vierspuriger Zubringer angelegt. Sie führt durch die gleichnamige Siedlung, die ehemals Housing Area der US-Streitkräfte war. Nach deren Abzug im Jahr 1994 kam die Siedlung in städtischen Besitz. Viele kinderreiche Familien, oft mit Migrationshintergrund, zogen ein. Der Straßenraum blieb in seiner Dimensionierung unverändert. Es entstanden wilde Park- und Lagerplätze ohne jede Aufenthaltsqualität.

Grünflächen vernetzen

Ideen aus den Planungswerkstätten im Rahmen der Frankfurter „Stadtentwicklungsinitiative 2030“ machten das Potenzial dieser „vergessenen“ Freiflächen deutlich. Im Süden der Platenstraße können die Miquelanlage und der Grüneburgpark eine grüne Verbindung zur Innenstadt herstellen. Nach Westen und Osten führt ein grüner Korridor zum Sinaipark und über die Fritz-von-Unruh-Anlage bis ins Niddatal und den GrünGürtel.

Die Platenstraße wurde völlig neu konzipiert: als Grünzug. Der Straßenraum wurde neu geordnet und die befes­tigten Flächen auf das notwendige Maß zurückgebaut. Feinfühliges Planen und Respekt vor den gewachsenen Strukturen halfen, den Charakter des Viertels zu bewahren.

Die Anwohner einbeziehen

Um eine höhere Akzeptanz der neuen Anlage zu erreichen, entwarf die Lokale Agenda 21 – Gruppe Ginnheim einen Bürgerbeteiligungsprozess, der dann vom Grünflächenamt begleitet wurde.

Der Stadtteilarbeitskreis entwickelte eine „Lern- und Kulturmeile“ als nachbarschaftlichen Begegnungsraum mit Angeboten für Kinder und Jugendliche. Der Kinderzirkus Zarakali und der Bikepark wurden ebenso eingebunden wie der angrenzende Kindergarten und die Astrid-Lindgren-Grundschule. Die Thematisierung im Ortsbeirat und die Arbeit des Nachbarschaftsbüros und des Stadtteilarbeitskreises hielten das Projekt konstant in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Planungen wurden bei mehreren Ortsterminen und Treffen im Stadtteilarbeitskreis erläutert. Interessierte hatten dabei die Möglichkeit, Wünsche zu äußern. Das Schachfeld, die Boulebahn und der öffentliche Bücherschrank sind daraus entstanden. Die Tageszeitungen und die Ginnheimer Siedlungszeitung berichteten mehrfach über das Projekt.

Grün mit Aufenthaltsqualität schaffen

Wo vorher Schotter und Asphalt das Bild prägten, entstanden etwa 3.200 m² neue Grünflächen mit Sträuchern, Bäumen und Wiesen. Eine Allee aus großkronigen Silberlinden entlang des Fußwegs wird in einigen Jahren für wohltuenden Schatten sorgen. Die funktionale, hochwertige und zugleich robuste Ausstattung wird der intensiven Nutzung der Flächen gerecht. Für den Bodenbelag um die Bänke wurde vorhandenes ­Porphyr-Pflaster wiederverwendet. Der beleuchtete Fußweg führt abgerückt von der Straße entlang der Grenze zu den Nachbargrundstücken in die Wohnquartiere an der Franz-Werfel-Straße und der Sudermannstraße. Er ist zu einer – besonders für Schulkinder – sicheren und attraktiven Fuß- und Radwegverbindung geworden.

Den Klimawandel im Blick behalten

Die Auswahl der gepflanzten Bäume folgt den Erfahrungen des Grünflächenamts, das seit mehreren Jahren die Reak­tio­nen von Straßenbäumen auf die Klimaerwärmung analysiert. Mit Silberlinde und Französischem Ahorn wurden hitze­ver­träg­­liche Bäume gepflanzt. Für den geplanten Stadtbahnlückenschluss wurde ein Baufenster frei gehalten. Die Rasenflächen wurden als leichte Mulden ausgebildet und lassen so Nieder­schlags­wasser von den angrenzenden befestigten Flächen ver­sickern. Dies entlastet das Kanalnetz bei Stark­regen­ereig­nissen.

Stadtklima

Entsiegelung und Wiederbegrünung; Verbesserung des Mikroklimas in der Straße; neue stadtklima­verträgli­che ­Bäume; Regenwasser­versickerung.

Grünraum

Schaffung von hochwertig gestalte­ten Grünflächen in sozial ­benachteiligtem Stadtquartier; ­Vernetzung mit weiteren Grün­räumen.

Begegnungsraum

Möglichkeiten zum nachbarschaftlichen Dialog; Angebote für Kinder und Jugendliche; sichere Fuß- und Radwege; hohe Identifikation der ­Anwohner mit dem Grünzug.

Grünflächenamt Frankfurt am Main

Heike Appel

Telefon 069 212-30209

heike.appel(at)stadt-frankfurt.de