Frankfurts Energie erneuern

Masterplan 100 % Klimaschutz: Die Stadt vollständig aus erneuerbaren Energien versorgen

Projektsteckbrief

Projekttitel: „Masterplan 100 % Klimaschutz Frankfurt am Main“

Themenknoten: Klima und Freiflächen

Projektziele: Energieversorgung der Stadt Frankfurt am Main zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050; unter Beteiligung der breiten Öffentlichkeit.

Projektlaufzeit: 01.01.2013 – 31.12.2016

Förderer: Bundesministerium für Umweltschutz, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI)

Projektverantwortlich: Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main

Frankfurt hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2050 die gesamte Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Dies erfordert, den Energieverbrauch auf die Hälfte zu senken, und wird die CO₂-Emissionen um 95 Prozent reduzieren. Die Studie „Masterplan 100 % Klimaschutz“ ist die Basis dafür. Sie umfasst Szenarien, Strategien und Maßnahmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden kann.

Seit der Gründung des Energiereferates und der Mitbegründung des Klimabündnisses im Jahr 1990 hat Frankfurt große Anstrengungen im Klimaschutz unternommen. 2012 beschlossen die Stadtverordneten, die Energieversorgung der Stadt bis zum Jahr 2050 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen und für die Umsetzung den „Masterplan 100 % Klimaschutz“ zu entwickeln. Das Projekt startete 2013 und ist eine Fortschreibung des Frankfurter Energie- und Klimaschutzkonzepts von 2008.

Der Prozess wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unterstützt. Frankfurt ist eine von 19 ausgewählten Kommunen und Landkreisen, die seit 2012 gefördert werden. Diese „Masterplan-Kommunen“ verpflichten sich, die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent zu senken – durch Steigerung der Energieeffizienz, die Förderung eines nachhaltigen Lebensstils bei Bürger/innen sowie eines nachhaltigen Wirtschaftens in lokalen Unternehmen. Merkmal sind die Nutzung erneuerbarer Energien insbesondere aus regionalen Quellen und der Aufbau von nachhaltigen regionalen Stoffkreisläufen.

Die Machbarkeit prüfen und den Weg entwerfen

Erste Szenarien zeigen, dass die Umstellung auf eine rein regenerative Energieversorgung in Frankfurt möglich ist. Voraussetzung ist, dass der Energieverbrauch gegenüber heute um die Hälfte reduziert wird. Die dann noch benötigte Energie kann zum größten Teil aus erneuerbaren Quellen in Frankfurt und in der Region Rhein-Main erzeugt werden.

Wenn ein Teil des benötigten Stroms aus Hessen bezogen wird, kann mehr Windenergie und Biomasse genutzt werden. Darüber hinaus würde ein geringer Anteil von Stromimporten aus dem übrigen Bundesgebiet weniger teure Stromspeicher erfordern und so die Stromkosten deutlich senken.

 


CO₂ sparten 63 Unternehmen, die von 2007 bis 2015 am Projekt Ökoprofit teilnahmen, in diesem Zeitraum ein. Sie reduzierten ihren Stromverbrauch dabei um 11,4 Mio. kWh und sparten 3,95 Mio. Euro an Kosten ein. 

Die Stadtgesellschaft beteiligen

Die ehrgeizigen Ziele des „Masterplan 100 % Klimaschutz“ erfordern zum einen eine intensive dezernatsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Stadtverwaltung und die gegenseitige Einbindung in Konzepte wie die Mobilitätsstrategie und das Stadtentwicklungskonzept ISteK, die zur Zeit erstellt werden.

Zum anderen sind die Ziele ohne Beiträge aus der Stadtgesellschaft nicht zu erreichen. Eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen wird umzusetzen sein, und die Beteiligung von Bürgern, Unternehmen, Energieversorgern, Wohnungswirtschaft, Hochschulen und Wissenschaft sowie anderen Akteuren ist unerlässlich.

Sie wurden schon in einem frühen Stadium in die Ideenfindung und die Erstellung der Studie eingebunden. So gab es zahlreiche Workshops, Vorträge und Infostände sowie eine Reihe von Bürgerbeteiligungsveranstaltungen. Die über 800 Frankfurter/innen, die daran teilnahmen, erarbeiteten vielfältige Vorschläge zum Klimaschutz. Darunter sind technische Maßnahmen ebenso wie Anreize zum Umdenken und Ideen zur Förderung klimaschonenden Verhaltens.

Maßnahmen vorschlagen und Orientierung geben

Im Fokus des Masterplans stehen die drei Bereiche Wärme, Strom und lokaler Verkehr. Hier muss nicht nur der Verbrauch drastisch gesenkt werden, sondern es müssen Bedarf und Versorgung aufeinander ab­ge­stimmt und optimiert werden. Dabei wird die Kom­plexi­tät zunehmen, weil die Bereiche z. B. durch Kraft-Wärme-Kopplung, Wärmepumpen und Elek­tromobilität zunehmend verknüpft sind.

Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) hat die Stadt die gegenwärtigen Verbräuche in den drei Bereichen und die innerstädtische Energieerzeugung analysiert. Auf der Basis dieses Status quo wurde eine Vielzahl an Maßnahmen entwickelt, mit denen der Energiebedarf gesenkt werden kann.

Der Maßnahmenkatalog nennt potenzielle Akteure, mögliche Einsparungen und voraussichtliche Investitionskosten. Er umfasst sowohl technische Maßnahmen als auch solche, die die Akzeptanz bei den Frankfurter/innen fördern und sie dazu motivieren, mitzumachen und selbst Maßnahmen umzusetzen.

Zugleich wurden Potenziale für erneuerbare Energien und für eine bessere Vernetzung und Steuerung aufgezeigt. „Roadmaps“ geben mit Entwicklungspfaden und Meilensteinen eine Orientierung, auch wenn die technologischen Entwicklungen und Änderungen politischer Rahmenbedingungen im Zeitraum bis 2050 noch nicht absehbar sind.

Erneuerbare Energiequellen

Umstellung auf eine rein regenerative Energieversorgung; Erzeugung zum größten Teil aus erneuerbaren Quellen in Frankfurt und in der Region Rhein-Main; Aufbau von nachhaltigen regionalen Stoffkreisläufen.

Energieeffizienz

Reduzierung des Energieverbrauchs ­gegenüber heute um die Hälfte; Abstimmung von Bedarf und Versorgung bei Wärme, Strom und lokalem Verkehr; Förderung klimaschonenden Verhaltens; Maßnahmenkatalog und Roadmaps.

Stadtgesellschaft

Beteiligung von Bürgern, Unternehmen, Energieversorgern, Wohnungswirtschaft, Hochschulen und Wissenschaft; Einbindung in Ideenfindung und ­Konzepterstellung; Motivation zur ­Umsetzung eigener Maßnahmen.

  

Beispiele für Projekte und Maßnahmen

Sparen mit Prämie – Frankfurt spart Strom

Individuelle Beratung, Tipps zum Strom-Sparen und für den Kauf von Haushaltsgeräten und Unterhal­tungselektronik und nicht zuletzt die Stromspar­prämie – die Initiative „Frankfurt spart Strom“ richtet sich an Verbraucher sowie an kleine und mittlere ­Unternehmen in Frankfurt.

Frankfurt hat als bundesweit erste Stadt im Jahr 2008 damit begonnen, Stromsparen mit einer Geldprämie zu belohnen. Wer seinen Stromverbrauch innerhalb eines Jahres um mindestens 10 Prozent ­reduziert, erhält von der Stadt eine Prämie von 20 Euro und noch einmal 10 Cent für jede weitere eingesparte Kilowattstunde. Die bisherigen Teilnehmer/innen ­haben ­ihren Geldbeutel um durchschnittlich 65 Euro entlastet, und sie schonen gleichzeitig das Klima.

www.frankfurt-spart-strom.de

Im Verbund effizienter – Mainova AG baut Fernwärmenetz aus

Einen wesentlichen Beitrag zu den im Masterplan vorgesehenen Einsparungen wird der Ausbau des Frankfurter Fernwärmenetzes leisten. Der städtische Energieversorger Mainova AG verbindet bis 2017 mit einer Investitionssumme von rd. 65 Millionen Euro die Heizkraftwerke (HKW) Messe, West und Niederrad durch Fern­wärmeleitungen mit dem Müllheizkraftwerk (MHKW) in der Nordweststadt. Wieviel Fernwärme die ­Kraftwerke einspeisen, wird künftig zentral vom HKW West aus gesteuert. Dieses Kraftwerk wird zurzeit umfassend ­modernisiert und kann dann nicht nur Dampf als Wärme­trägermedium produzieren sondern auch Heizwasser für den Kraftwerkeverbund. Für Kraftwerksumbauten und Modernisierungen werden insgesamt weitere 63 Millionen Euro (ohne MHKW) verausgabt.

Die Fernwärme im Frankfurter Netz entsteht überwiegend im Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dabei werden Strom und Wärme parallel erzeugt. Auf diese Weise wird der eingesetzte Brennstoff viel effizienter genutzt als bei einer getrennten Strom- und Wärmeerzeugung. Durch den Zusammenschluss der Erzeugungsanlagen können die vorhandenen Redundanzen für den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes genutzt werden. Außerdem kann die Wärme, die im MHKW zu 50 Prozent aus erneuerbaren Brennstoffen wie organischen Abfällen, erzeugt wird, stärker genutzt werden. Kleinere Heizwerke werden stillgelegt und durch Fernwärme ersetzt. Das optimierte Zusammenspiel aller Kraftwerke reduziert den Brennstoffeinsatz und verringert die CO₂-Emissionen um rd. 100.000 Tonnen pro Jahr.

KWK-Anlagen sind sehr effizient und steuerbar. Das macht sie zu einer idealen Ergänzung in Momenten, in denen Wind- und Solaranlagen wenig Strom produzieren. Überschüssigen Strom aus diesen Anlagen wiederum kann das Fernwärmesystem in Kombination mit Power-to-Heat-Anlagen und Wärmespeichern aufnehmen und so als Ausgleichspuffer dienen.

Klimafreundliche Ernährung – Klimagourmet

Durchschnittlich 14 Prozent des CO₂-Fußabdrucks eines Deutschen macht die Ernährung aus. Wie man diesen Wert einfach und lecker reduzieren und so klimaverträglicher leben kann, zeigt Klimagourmet.

Eine mehrfach ausgezeichnete Wanderausstellung behandelt an elf interaktiven Stationen Themen wie den Treibhauseffekt, den Zusammenhang von CO₂-Emissionen mit der Wahl von Lebensmitteln oder den Aufwand bei Produktion und Transport. Bei der Klimagourmetwoche wurde bereits zum zweiten Mal ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, Kochkursen und Filmen angeboten. Zugleich wurden Projektwochen in Schulen durchgeführt. Der Klimagourmet-Guide zeigt auf einer Online-Karte Anbieter und lokale Initiativen rund um die klimafreundliche Ernährung. Das Projekt wurde vom Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main und dem Netzwerk „Nachhaltigkeit lernen in Frankfurt“ ins Leben gerufen.

www.klimagourmet.de

Unternehmen schonen Ressourcen – ÖKOPROFIT Frankfurt am Main

Betriebskosten senken und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen schonen: das ist das Ziel von ÖKOPROFIT Frankfurt am Main. Das Kooperationsprojekt des Energiereferats der Stadt Frankfurt am Main mit der lokalen Wirtschaft stellt ein niederschwelliges Angebot für den Aufbau eines betrieblichen Energie- und ­Umweltmanagements dar. Zugleich ist es auch ein Netzwerkprogramm zur Förderung von Nachhaltigkeit in der Wirtschaft.

Die Unternehmen entwickeln in gemeinsamen Workshops Maßnahmen in den Bereichen Energie- und Wassermanagement, Abfallwirtschaft, nachhaltige Beschaffung und Mitarbeitermotivation und setzen diese um. Darüber hinaus gibt es Einzelberatungen und eine Zertifizierung.

Das Projekt ist eine Säule der Frankfurter Klimaschutzpolitik und richtet sich an Unternehmen und betriebliche Einrichtungen, die ihre Umweltbilanz verbessern möchten. Bisher haben in Frankfurt 65 Betriebe das Programm erfolgreich durchlaufen, das seit 2007 mit insgesamt sechs Projektrunden umgesetzt wurde.

www.oekoprofit-frankfurt.de

Wegweiser in Energiefragen – Energiepunkt FrankfurtRheinMain e. V.

Für Bauherren, Modernisierer/innen, Mieter/innen sowie für kleine und mittlere Unternehmen ist der Energiepunkt FrankfurtRheinMain e.V. ein Wegweiser in Sachen Energie. Wer Rat sucht, erhält zum Beispiel Informationen zum Energiesparen, zu effizienter Energieversorgung und zu Fördermöglichkeiten bei Sanierung und Neubau. Planer/innen, Berater/innen und Handwerker/innen haben darüber hinaus die Möglichkeit zum Austausch, zur Zusammenarbeit und zur Weiterbildung. Ziel ist es, so die Qualität der Energieberatung langfristig zu verbessern.

Der Energiepunkt FrankfurtRheinMain e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der vom Land Hessen und der EU gefördert wird. Neben anderen Institutionen sind das Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main und die städtischen Gesellschaften Mainova AG, ABGnova GmbH und Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH Mitglied.

www.energiepunkt-frankfurt.de

Das Gasnetz als Energiespeicher – Power-to-gas-Versuchsanlage

Der städtische Energieversorger Mainova AG hat im Mai 2014 mit zwölf weiteren Partnern eine Anlage, die Strom in Gas umwandeln kann (power-to-gas) in Betrieb genommen. In der Versuchsanlage auf dem Werksgelände in der Schielestraße wird mit Strom aus erneuerbaren Energien mittels PEM-Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff erzeugt.Dieser wird über die von der Netztochtergesellschaft (NRM) konzipierte Mischanlage ins Erdgasnetz eingespeist.Damit wird ein Energieträger bereitgestellt, der sich gut speichern und transportieren lässt. Das Gasnetz wird so zur „Batterie“ der Zukunft. Gaskraftwerke können z. B. wieder Strom erzeugen, wenn Solaranlagen oder Windräder gerade wenig Ertrag bringen.

Die Demonstrationsanlage kann bis zu 60 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde erzeugen, der mit 3.000 Kubik­meter Erdgas durchmischt wird. Das angereicherte Erdgas wird ins Netz eingespeist. Die Anlage war bundesweit die erste, die in Wasserstoff umgewandelten Strom ins Erdgas-Verteilnetz eingespeist hat.

Energiereferat Frankfurt am Main

Energiereferat Frankfurt am Main
Telefon 069 212-39193
energiereferat(at)stadt-frankfurt.de