Wo Fische gegen den Strom schwimmen

Naturnahe Umgestaltung der Nidda: Vom Kanal zum Lebensraum Fluss

Projektsteckbrief

Projekttitel: „Naturnahe Umgestaltung der Nidda“

Themenknoten: Klima und Freiflächen

Projektziele: Strukturverbesserung an der Nidda: natur­nahe Gewässergestaltung, Abbau von Wanderungs­hindernissen für Fische und andere Wasserorganismen, ­attraktivere Uferwege, Erhaltung des Hochwasser­schutzes und des Grundwasserspiegels.

Projektbeginn: 1993

Beteiligte: Stadtentwässerung Frankfurt am Main

Die naturnahe Umgestaltung der Nidda-Ufer und der Umbau der Wehre schaffen neue Lebensräume für Flora und Fauna, werten einen Erholungsraum für die Frankfurter/innen auf und bewahren dabei den Schutz vor Hochwasser.

Die einst fischreiche Nidda im Norden Frankfurts wurde im 20. Jahrhundert kanalisiert, gestaut und begradigt. Flussschleifen wurden durchstochen, zugeschüttet oder zu Altarmen gemacht. Neugebaute Wehre unterbanden die Fischwanderung. Der Ausbau schützte zwar gut vor Hochwasser, aber der Fluss wurde zu einem Kanal.

In den 1990er Jahren erarbeiteten die Nidda-Anrainer ein Programm zur Renaturierung des Flusses, die Konzeption „Naturnahe Nidda“. Sie wurde von der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt am Main 1998 beschlossen.

Mit dem Umbau wurde zwischen Berkersheim und Bonames begonnen. Ein Altarm wurde wieder angeschlossen. Überschwemmte Auenbereiche, flachere Uferhänge und ein natürlicheres Flussprofil sowie Sand- und Kiesbänke bieten Flora und Fauna inzwischen neue Lebensräume.

Bereits in den 1990er Jahren zeigte eine „Wehrstudie“, dass ein Umbau der Nidda-Wehre möglich ist, ohne die Hochwassersicherheit zu gefährden und den Grundwasserspiegel wesentlich zu verändern. Die Wehre auf Frankfurter Gebiet wurden in den Maßnahmenkatalog des Landes Hessen aufgenommen, mit dem die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden sollen.

Das Höchster Wehr: Fischaufstieg und Hochwasserschutz

Das Höchster Wehr wurde 2012/2013 durch ein schräg in den Fluss gestelltes Streichwehr ersetzt. Es leitet ständig einen Teil des Wassers in ein neues Umgehungsgerinne neben dem Wehr, das mit seinem geringen Gefälle den Fischaufstieg ermöglicht. Der alte Hochwasserschutzdamm wurde abgetragen und um einen verlandeten Altarm herum neu aufgebaut. Die zusätzliche Retentionsfläche wird bei starkem Nidda-Hochwasser überschwemmt oder wenn sich der Main bei Hochwasser in die Nidda zurückstaut. Der Uferweg wurde auf dem neuen Damm angelegt und der alte Wehrsteg durch eine neue Brücke ersetzt.

Die Fische kehren zurück

Schon jetzt, kurz nach dem Umbau, hat die Zahl strömungsliebender Fische wie Barbe, Nase und Hasel zugenommen. Die Meerforelle wandert aus dem Main in die Nidda und ihre Nebengewässer. Das Umgehungsgerinne und die Kiesbänke unterhalb des Wehres bieten dem Schneider eine Kinderstube – eine Fischart, die in Hessen als fast ausgestorben galt.

Rödelheimer Wehr: der Mühlkanal als Umgehungsroute

Beim Rödelheimer Wehr kam zwar kein raumgreifender Umbau in Frage, weil es an die Bebauung und den Brentanopark angrenzt. Der alte Mühlgraben konnte aber als Rampe so umgebaut werden, dass er von Fischen durchschwommen werden kann.

Sossenheimer Wehr: die Bürger an der Planung beteiligen

In Sossenheim sieht der aktuelle Stand der Planung vor, das alte Wehr durch ein Streichwehr zu ersetzen. Es leitet das Flusswasser in den am Wehr liegenden Grill’schen Altarm, der wieder mit der Nidda verbunden wird und so den Fluss für Fische und andere Wasserlebewesen passierbar macht. Der Uferweg wird umgestaltet, und neue Brücken führen über Ein- und Auslauf des Altarms.

Noch weit vor dem Planfeststellungsverfahren gab eine Planungswerkstatt den Bürger/innen die Möglichkeit, sich über das Vorhaben zu informieren. Sie konnten mit den Planern Ideen und Anregungen diskutieren, die soweit möglich in die Planung einfließen sollen. Auch hier sind die Hochwassersicherheit und ein gleichbleibender Grundwasserspiegel zu gewährleisten. 2016 soll die Genehmigung beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt werden.

Die Flussufer als Erholungsraum aufwerten

Die Nidda-Ufer werden im Zuge der naturnahen Umgestaltung auch für die Menschen attraktiver. Der Uferweg, den viele Spaziergänger/innen und Radfahrer/innen nutzen, führt nicht mehr monoton an einer schnurgerade ausgebauten Nidda entlang, sondern an abwechslungsreichen Ufern mit Gehölzen, Altarmen und Wiesen. Immer wieder öffnet sich der Blick auf den Fluss.

Lebensraum

Wiedergeschlossene Altarme, Auen­bereiche, ­Sand- und Kiesbänke und flachere Uferhänge bieten neue Lebens­räume für Flora und Fauna; Umbau der Wehre und Rampen ­machen Fischaufstieg wieder möglich.

Erholungsraum

Abwechslungsreichere Ufer mit ­Gehölzen, Altarmen und Wiesen ­bieten attraktivere Naturerlebnisse; neugestaltete, geschwungene ­Uferwege und neue ­Brücken.

Hochwasserschutz

Schaffung zusätzlicher Retentions­flächen; Erhalt der Hochwasser­sicherheit und gleichbleibende ­Grundwasserspiegel beim Umbau der Wehre.

Stadtentwässerung Frankfurt am Main

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