© F. Hecker

Wohin mit dem Kuckucksei?

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland

Die globalen Auswirkungen des Klimawandels wirken in unterschiedlicher Weise auf unsere Vogelwelt. Dabei wird es „Gewinner“ und „Verlierer“ geben. Besonders Vögel, die im Winter in ihren Brutgebieten bleiben oder in nicht weit entfernte Überwinterungsgebiete ziehen, haben offenbar Vorteile von einer Klimaerwärmung. Sie besetzen ihre Reviere früher und verlängern die Brutphase. Drei Bruten der Amseln sind in unseren städtischen Gärten und Grünanlagen keine Seltenheit. Auch der frühere Erstgesang bei vielen Vogelarten lässt auf eine vorverlegte Brutzeit schließen. Zu den Gewinnern zählen ehemals überwiegend in Südeuropa verbreitete Arten, die mehr und mehr nach Norden wandern. So könnte der tropisch anmutende Bienenfresser bald regelmäßig in weiten Teilen Europas brüten. Auch der wärmeliebende Wiedehopf breitet sich wieder langsam aus.

Problematisch wird es eher für die Langstreckenzieher unter den Vögeln, deren genetisch fixiertes Zugprogramm sich dem raschen Klimawandel noch nicht angepasst hat. Arten wie z.B. Kuckuck und Gartenrotschwanz erreichen ihre Brutgebiete und unterliegen dann dem Konkurrenzdruck von flexibleren, überwinternden Arten oder Kurzstreckenziehern. Außerdem vernichten klimabedingt verursachte Dürren nördlich des Äquators wichtige Rast- und Trittsteinbiotope. Diese Arten bleiben buchstäblich auf der Strecke.

Der Kuckuck – vom Klimawandel abgehängt?

Der Kuckuck legt sein Ei bekannter Weise in fremde Nester, damit andere Vögel das Kuckucksei ausbrüten. Offenbar macht der Klimawandel dem Kuckuck einen Strich durch die Rechnung: Er kommt pünktlich zu uns – und damit zu spät – die meisten seiner bevorzugten Wirtsvögel sind schon längst da, haben mit der Brut begonnen oder die Jungen sind bereits geschlüpft. Damit hat er geringere Chancen seine bis zu 20 Eier seinen „Zieheltern“ unterzujubeln. 

Der Klimawandel ist nur ein Faktor, der auf Arten oder Lebensgemeinschaften wirkt. Definitive Prognosen für die künftige Entwicklung unserer mitteleuropäischen Vogelwelt zu treffen, ist derzeit kaum möglich. Letztendlich wird die unterschiedliche Anpassungsfähigkeit der Arten entscheiden, ob es Gewinner oder Verlierer sein werden. Wir können allerdings einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Vögel leisten, wenn wir die zu erwartenden klimabedingten Veränderungen in unsere Naturschutzstrategien einbinden. Dazu gehört auch mehr Natur in der Stadt zu wagen!

Die Vogelschutzwarte wird an ihrem Stand im Palmengarten u.a. auch mit Präparaten mögliche Einflüsse des Klimawandels auf die Vogelwelt anschaulich erklären. Mit einem Vogelquiz zu den „Gewinnern und Verlieren“ sprechen wir besonders die Kinder unter den Besuchern an.


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